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Freitag, 17. Mai 2013

Cisza (2005)

Die Stille hier ist unerträglich für mich. Am Tag kann ich sie gut verdrängen. Da habe ich keine Zeit, um die Stille in mir zu bemerken. Ich gehe ja von nachmittags bis abends arbeiten und mit 16 Jahren! Ihr wollt wissen, wie es dazu kam? Wer ich bin? Dann hört gut zu, ich erzähle euch meine Story:

Ich heiße Minaka Hajima und war damals 14 Jahre alt, als sich mein Leben änderte. Ich war ein normales Mädchen, das auf die Mijazawa-Mittelschule ging. Mittlerweile bin ich auf der Oberschule. Jetzt aber zurück zur Story.
Damals war ich sehr beliebt in der Schule und hatte viele Freunde. Jedoch sollte sich das bald ändern. Es war der 2. Juli 1998. An diesem Tag ging ich nicht zur Schule, denn ich konnte nicht. Ich lag in meinem Bett und hab geweint. Es war schlimm. Kurz vorher bekam ich die Nachricht; meine Eltern seien gerade gestorben. Es war ein Autounfall. Ich konnt's nicht glauben. Eine ganze Woche lang, lag ich nur in meinem bett. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Ich war nun alleine. Jeden Abend, wenn ich nach hause komme, spüre ich diese unerträgliche Stille. Ich lebe jetzt alleine in einer kleineren Wohnung. nach der Schule gehe ich ja direkt zur Arbeit, erst abends komme ich nach Hause. Normalerweise müsste ich bei bekannten leben, aber die einzigen, die ich noch habe, leben in Amerika, da kann ich nicht hin. Ich kenne sie ja noch nicht einmal. Meistens bin ich 22:00 Uhr zu Hause und ich muss sagen, dass es echt hart ist, wenn man nach Hause kommt, die Tür aufmacht und man niemanden hat, der auf einen wartet, für ihn da ist.
Aber ich möchte jetzt nicht rummeckern, denn ich habe gelernt, dass man das Leben von der guten Seite aus betrachten sollte, schließlich weiß man nicht, wie lange man es hat. So gehe ich wie jeden Sonntag in den hier nahe liegenden Park, wo ich normalerweise immer mit meinen Eltern hingegangen bin.
Es ist ein wunderschöner Park, das muss man sagen. In der Mitte ist ein kleiner See und ringsherum sind Kirschbäume. Ich erinnere mich noch, wie meine Mutter sich immer riesig gefreut hat, auf die Kirschblütenzeit. Während dieser Zeit waren wir sogar tagtäglich hier. Ich setze mich auf eine Bank neben einem Kirschbaum. Er ist gerade in seiner vollen Blütezeit. Ich kann mir meine Mutter jetzt ganz genau vorstellen. Sie würde sich unter dem Baum mit ausgestreckten Armen und einem Lächeln, der Berge versetzt, im Kreis drehen und sich dann unter den Baum fallen lassen.
Auch hier ist es still. Aber es st nicht diese unangenehme kalte Stille, wie in meiner Wohnung. Hier ist es eher eine angenehm warme Stille, die ich normalerweise mit meinen Eltern hatte.
Meine Arme halte ich über dem Bankrücken gelehnt, darauf meinen Kopf, der im Nacken ruht und mein Blick nach oben gerichtet. Es ist schon spät, wie ich feststelle, dennoch sind keine Sterne zu sehen, schade. Ich schließe die Augen und denke mal wieder an früher, wo ich sowas wie Alleinsein nicht kannte.
Ich hatte immer jemanden um mich herum - ob es meine Eltern oder einfach nur Freunde waren. Es war immer jemand da. Doch auch von meinen Freunden habe ich mich zu sehr in den letzten 2 Jahren distanziert, um jetzt zu ihnen zu gehen. Ich gucke sie nur traurig und leer an. *raschel* War da nicht was? Ich drehte mich nach links, wo ich das Rascheln her vernahm, doch da war nichts, muss wohl Einbildung gewesen sein. Auch egal, ich sollte mich wohl besser auf den Weg machen, immerhin muss ich ja morgen früh aufstehen.
Gerade als ich losgehen wollte, sprang eine nachtschwarze Katze vor meine Füße. *miau* Wie süß sie ist... Ich hob die Katze hoch und hielt sie mir vor's Gesicht. Wem sie wohl gehörte? Ein Halsband trug sie nicht und sie schien auch noch sehr jung zu sein. "Na bist du auch alleine?" fragte ich sie. Als Antwort bekam ich wieder ein "Miau" von ihr, das soll wohl "ja" heißen. Hm, soll ich sie mit zu mir nehmen? Ich schaute sie mir an und nach einem kurzen Überlegen war die Antwort mir klar. Ja, ich nehme sie mit zu mir! "Wie soll ich dich nennen?" - "Miau?!" - "Ja, ich hab's: Cisza!" Der Name passt doch. Ich glaube ab jetzt werde ich nicht mehr alleine sein und du Cisza auch nicht. Mama, Papa, ich danke euch! Endlich habe ich jemanden, der die Stille um mich und in mir wegnimmt. Danke!

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